ROAD TO MILFORD SOUND

ROAD TO MILFORD SOUND

Milford Road. Die Straße in Neuseeland, die sich durch einen Bruchteil des Fiordland Nationalparks schlängelt, ganz im Norden des Parks, bis hin zum Milford Sound. Der Sound, der auch als achtes Weltwunder gehandelt wird.

Und wir? Wir haben noch überlegt, ob wir die lange Fahrt zum Milford Sound aus Zeitgründen überhaupt antreten wollen. Zum Glück haben wir uns aber auf den Weg dorthin gemacht. Froh über unsere Entscheidung waren wir dann aber aus ganz anderen Gründen.

 

Viele von euch kennen in Zeiten der Digitalisierung und von Social Media Plattformen wie Instagram oder Pinterest
bestimmt dieses Gefühl: Ihr seht ein Bild von einem anderen Reisenden,
der gerade an einem unfassbar schönem Ort zu sein scheint. Und innerhalb
von Sekunden möchte man auch einmal dort stehen. Selbst vielleicht
sogar ein Foto dort machen. Zack, auf die Bucket List damit. Wie
praktisch aber auch, dass man bei Pinterest alles direkt auf seine extra
für Traumziele angelegte Pinnwand pinnen und bei Instagram das Bild
seiner „Travel“ Sammlung hinzufügen kann. So vergisst man nie, wo man
alles noch so hin möchte.

Vor allem aber vergisst man nie, wie schön die Destination, der Ort,
auf den Fotos wirkt. Wie toll, wie atemberaubend alles aussieht. Und
genau das, das wird einem immer wieder zum Verhängnis. Ich möchte mich
da selbst überhaupt nicht rausnehmen. Auch ich stolpere, insbesondere
bei Instagram, immer wieder über Bilder von Orten, die in mir direkt
Fernweh auslösen. Also werden sie als Inspiration für die nächste Reise
abgespeichert.

Auch für unseren vierwöchigen Roadtrip über Neuseelands Südinsel haben wir uns Anregungen bei Instagram und Pinterest
geholt. Obwohl wir dabei auch nie den guten alten Reiseführer
vernachlässigen. Aber in diesem Fall haben uns unsere Erwartungen nach
dem Lesen über das „achte Weltwunder“ und dem Betrachten mehrerer
wunderschöner Fotos, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich weiß
nicht, ob es an uns lag oder daran, dass wir die Fjorde in Norwegen
mindestens genauso spektakulär fanden, aber der Milford Sound hat uns
einfach nicht umgehauen. Und das obwohl wir sogar mit einem sonnigen Tag in einer der regenreichsten Regionen Neuseelands gesegnet waren.

Vielleicht lag es auch an den vielen anderen Menschen, die sich genau
wie wir, von den vielen Reiseführern, die das „achte Weltwunder“
anpreisen, und den unzähligen Fotos auf Pinterest und co überzeugen
lassen haben dem Sound einen Besuch abzustatten. Vor lauter Menschen
wussten wir manchmal nicht wo hin. Und wir sind sogar bewusst am frühen Vormittag da gewesen.

Ich möchte damit keinesfalls sagen, dass der Milford Sound nicht
beeindruckend ist. Das ist er. Aber eben nicht so überwältigend, wie er
oft versprochen wird. Das macht aber auch nichts, denn wir haben den
Abstecher nicht als Verlust angesehen. Und das liegt an der Straße die
zum Sound hinführt. Der Milford Road, dem State Highway 94.

Da wir schon früh morgens losgefahren sind, hing der Nebel noch in
den Tälern, durch die sich die Straße ihren Weg sucht. Die Straße ist in
ihrer kompletten Länge ab Te Anau bis zum Milford Sound übrigens erst
1954 fertiggestellt worden. Obwohl sich bereits 1878 die ersten Europäer
hier niedergelassen haben.

Die Fahrt über die Milford Road hat uns immer wieder dazu veranlasst
anzuhalten und Fotos zu machen. Ich muss zugeben, ich habe bisher (noch)
nicht alle Teile von Herr der Ringe gesehen. Nach diesem Abstecher in
den Fiordland Nationalpark kann ich aber absolut verstehen, wieso Peter
Jackson hier drehen wollte.

Wenn man mehr Zeit hat, sollte man sich diese hier auch unbedingt
nehmen. Allein entlang des State Highways gehen so viele Wanderwege ab,
es lassen sich so viele Wasserfälle und schöne Stellplätze für Vans und
Wohnmobile finden, das man problemlos drei oder mehr Tage für die Hin-
und Rückfahrt zum Sound einplanen kann.

Sollte es euch also einmal auf die Südinsel Neuseelands verschlagen,
lasst euch diesen Highway nicht entgehen. Seid euch aber auch im Klaren
darüber, dass es keine einfache Strecke ist. Wir sind zwar auch schon
anspruchsvollere gefahren, aber wenn man sich die Fahrt nicht zutraut,
sollte man lieber mit einem der vielen Busunternehmen fahren.

Was aber noch viel wichtiger ist und wir uns wahrscheinlich alle mal
wieder mehr zu Herzen nehmen sollten: das Reisen wieder mehr mit den
eigenen Augen und vor allem auch dem Herzen genießen. So schwer es auch
fallen mag, die perfekten Pinterest- und Instagrambilder in die letzte
Ecke des Kopfes packen und einfach drauf losfahren.

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