Ein kurzer Liebesbrief an den Road Trip. Durch Frankreich bis nach Spanien.

Rechts von mir höre ich die Grillen zirpen. Und links von mir da höre ich das Meer rauschen, die Wellen, wie sie über das Riff brechen. Wir schlafen nah am Wasser, so nah, dass ich das Salz in der Luft förmlich schmecken kann. 

Ich kann meine Begeisterung, meine Liebe für diese einfache Form von Urlaub, nur schwer in Worte fassen. Die Sachen ins Auto, oder im besten Fall in den Bulli schmeißen und drauflosfahren. Was für manch andere Menschen absolut nicht nachvollziehbar ist, ist für mich der Inbegriff von Glück.

Zuhause in Münster ziehe ich wahllos einige Kleidungstücke aus der Kommode und lege sie aufs Bett. Das Wichtigste ist dort sowieso schon platziert, viel Gedanken brauche ich mir also nicht mehr machen. Ein Rucksack reicht aus, um meine wenigen Sachen zu verstauen. In der Küche stapeln wir einige Kochutensilien und ein paar Nahrungsmittel in einer Kiste. Innerhalb von einer Stunde haben wir alles ins Auto geladen und sind abfahrbereit. Die ganze Zeit über herrscht dennoch irgendwie schlechte Stimmung. Der verregnete Juli in Münster zieht die Laune nicht gerade wirklich hoch. Wir sind uns unsicher, ob wir diese Reise gerade wirklich antreten sollen. Vor wenigen Wochen waren wir erst in Norwegen, in weniger als zwei Monaten breche ich nach Neuseeland auf. Die Zweifel ob wir wirklich schon wieder los sollen, nagen an uns. Wieso genau, das können wir uns auch nicht erklären.

Doch auf der einen Seite wartet an der nordspanischen Küste ein Freund auf uns und auf der anderen Seite wissen wir tief in uns doch, dass das Losfahren immer die bessere Wahl ist, als zuhause zu bleiben. Also ab ins Auto, raus aus der Stadt, rauf auf die Autobahn. Es ist schon später am Abend. Wir setzen uns als Ziel so weit zu fahren, bis wir zu müde sind, um noch Auto zu fahren. Weit kommen wir nicht, doch eine kleine Etappe der weiten Strecke bis nach Spanien ist geschafft. Früh am nächsten Morgen geht es weiter, eine Pause gibt es erst, wenn wir in Frankreich sind, so sagen wir uns. Und diese Pause belohnt uns. Wir fahren an einem stinknormalen Rasthof mitten in Frankreich, irgendwo noch vor Paris, raus. Aber sobald wir unser Frühstück, das selbstgebackene Bananenbrot, etwas Obst auf den einfachen Picknicktisch stellen, uns der Duft des frischgebrühten Kaffee in die Nase steigt und wir an unseren Emaillebechern nippen, da fällt auf einmal etwas von uns ab. Wir entspannen merklich, es scheint als würden wir den letzten Rest Alltag von uns abschütteln. Das Zauberwort heißt Einfachheit. Das simple Prozedere des Erhitzens des Gaskochers, das Schneiden des Brotes auf einem schnöden Tisch, mitten auf einem quirligen Rastplatz in der Champagne. Es erdet uns irgendwie, wir konzentrieren uns auf das Wesentliche. Ein Grund, warum ich Roadtrips so sehr liebe. Ich schalte schon auf dem Weg zum eigentlichen Ziel ab und lebe in den Tag hinein, während ich die Sorgen Zuhause gelassen habe.

Wir entscheiden uns zumindest auf dem Hinweg die Mautstraßens Frankreichs zu umgehen und auf die Landstraßen auszuweichen. Richtung Atlantik soll es gehen, auch wenn dies ein Umweg ist. Was ist schon ein Road Trip, bei dem man auf geradem Weg zum Ziel gelangt? Wir passieren schnuckelige Dörfer und können uns nicht satt sehen. Im Radio laufen Angus and Julia Stone und es könnte uns nicht besser gehen. Dabei sind wir noch nicht einmal 24 Stunden unterwegs. Wir fahren bis in den späten Abend hinein weiter, denn wir wollen am nächsten Morgen am Meer aufwachen. Gibt es eigentlich etwas Schöneres? Wohl kaum. Also wechseln wir uns ab, der Beifahrer bestimmt über die Musikauswahl. Pausen gibt es nur für das Abendessen und wenn mal jemand wirklich dringend auf die Toilette muss. Wir erreichen unser Ziel in der Nähe von La Rochelle erst als es schon dunkel ist, doch das macht uns nichts. Mit eingespielten Handgriffen bauen wir unseren Kombi zu einem gemütlichen Bett auf Rädern um. Innerhalb von Minuten sind wir eingeschlafen. Mit einem Grinsen im Gesicht und dem Bewusstsein, dass es tatsächlich das Meer ist, das in unseren Ohren rauscht.

Kein Luxushotel der Welt, kein Roomservice kann gut genug sein, um mir dieses Glücksgefühl zu geben, dass mir ein schlichter, vielleicht auch altmodischer Road Trip gibt. Das Gefühl, die Freiheit dort aufzuwachen, wo man möchte – dort anzuhalten, wo es einem am besten gefällt.

Es gibt nichts Besseres für mich. Wie auch, wenn man an Plätzen einschläft, an denen man die Wellen über das Riff brechen hört?

 

 

 

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