Ein Lebenszeichen aus Neuseeland! Ich habe meinen Job in Hastings beendet und wir reisen mittlerweile zu zweit, da der Freund es endlich hierhin geschafft hat.

Nach zwei kurzen Tagen in Wellington, die wir größtenteils damit verbracht haben Besorgungen zu erledigen, aber natürlich auch die unglaublich große Auswahl an vegan/vegetarischen Cafés und Restaurants
auszukundschaften, haben wir mit der Fähre nach Picton auf der Südinsel übergesetzt.

Und wie könnte man die Erkundung der Südinsel besser starten, als mit
dem Abel-Tasman-Nationalpark, der sich an der westlichen Nordküste der
Südinsel erstreckt?

Der Park, der nach dem niederländischen Seefahrer und Entdecker Abel
Tasman benannt ist, ist der kleinste Nationalpark Neuseelands. Seine
Größe ändert aber nichts daran, dass er mit einigen Highlights aufwarten
kann. Nicht nur, dass er landschaftlich unglaublich schön ist, wenn man
Glück hat, kann man hier entlang der Buchten sogar neuseeländische
Pelzrobben, blaue Zwergpinguine und mit noch viel mehr Glück Delphine
und Wale sehen.

Mit diesem Wissen und nach ein wenig Recherche, haben wir uns dazu
entschieden, dass wir nicht nur einen Tagesausflug machen, sondern den
Park auf einem der beliebtesten Wanderwege des Landes mehrere Tage lang
erleben möchten, dem Abel Tasman Coast Track.

DER COAST TRACK

 Der Coast Track im Abel Tasman gehört zu den Great Walks in Neuseeland. Hierunter sammeln sich eine Reihe von Wanderwegen, die von der neuseeländischen Behörde Departement of Conservation
ausgewählt und verwaltet werden. Es gibt verschiedene Optionen ihn zu
laufen, von Tagesausflügen mit kürzeren Etappen, über die dreitägige
Variante, bis hin zum „Full Abel Tasman“, für den man sich ganze fünf
Tage Zeit nimmt.

Der Weg führt, wie der Name schon besagt, immer entlang der Küste.
Man verliert die hier in den Buchten türkis schimmernde Tasmansee beim
Laufen nie aus den Augen. Vielleicht macht diese Tatsache, in
Kombination mit der von der Sonne verwöhnten Gegend, den Weg zu einem
der beliebtesten. Und wenn man einigen Kiwis und Reiseführern Glauben
schenkt, auch zu einem der schönsten. Bei mir bedurfte es jedenfalls
keiner größeren Überzeugungsarbeit mehr, nachdem mir eine andere
Neuseeland-Reisende Fotos von ihrer Wanderung im Abel Tasman gezeigt
hat.

VORBEREITUNG

Die Bilder und Eindrücke vom Wanderweg, die man online findet,
verlocken dazu direkt loslegen zu wollen. Doch auch wenn der Track
Wanderanfänger geeignet ist und zu den leichteren mehrtägigen
Wanderungen zählt, sollte man sich im Vorfeld ein paar Gedanken machen
und um ein paar Dinge kümmern.

ANREISE & PARKMÖGLICHKEITEN

Solltet ihr nicht mit dem eigenen Auto in Neuseeland unterwegs sein,
bieten sich Mitfahrgelegenheiten an. Am besten fragt man in
Facebook-Gruppen oder in Hostels nach. Der Abel Tasman ist so beliebt,
da wird sich sicherlich schnell eine Möglichkeit finden. Ab Nelson oder
Motueka werden auch Shuttleservices angeboten.

Reist ihr mit dem eigenen Auto an gibt es in Marahau Parkplätze, die auch relativ sicher sind. Das Abel Tasman Visitor Centre hilft euch sonst auch gerne weiter.

Ihr möchtet die Nacht vor dem Track in der Nähe verbringen, ohne viel
Geld für die teureren Campsites in Marahau auszugeben? Die Marble Hills Retreat Campsite ist eine günstige Alternative in direkter Nähe. Von hier sind es nur 5 Minuten bis nach Marahau.

DAUER DES TRACKS

Zu allererst sollte man sich überlegen, wie viel Zeit man auf dem Track verbringen möchte.

Ihr seid keine begeisterten Wanderer, geschweige denn Camper und
möchtet trotzdem ein Stück des Weges erleben, ohne direkt nachts im Park
zu übernachten? Kein Problem! Es gibt unzählige Möglichkeiten zu Fuß
Tagesausflüge in den Abel Tasman zu unternehmen. In Marahau, dem kleinen
Städtchen am südlichen Eingang des Parks sind mehrere Anbieter
ansässig, die euch mit dem Wassertaxi in einer der Buchten absetzen. Ab
hier lauft ihr dann ein Stück des Tracks. In der Regel bis zu einer
anderen Bucht, in der ihr dann am Ende des Tages wieder mit dem Boot
eingesammelt werdet. Oder aber ihr startet in Marahau und lasst euch nur
für den Rückweg von einem Wassertaxi abholen. In jedem Fall aber lohnt
sich bereits die Fahrt mit dem Boot entlang der Küste.

Die Betreiber der Wassertaxis haben unterschiedliche Formate für
Tagesausflüge im Angebot und ein Blick auf ihre Websites lohnt sich.
Preislich werdet ihr keine großen Unterschiede feststellen können,
generell arbeiten sie auch eng zusammen.

Ihr scheut euch nicht vor mehrtägigen Wanderungen und wollt zwei oder
mehr Nächte im Nationalpark verbringen? Dann solltet ihr euch zunächst
Gedanken machen, in welcher Richtung ihr den Track laufen möchtet.
Entweder startet ihr im Süden in Marahau und lasst euch nach Erreichen
eures Zielortes mit dem Wassertaxi oder von einem Shuttleservices
(Anbieter findet ihr auf der Seite des DoC)
abholen. Oder aber ihr lasst euch zu Beginn an eurem nördlicherem
Startpunkt absetzen und lauft den Track dann südwärts zurück.

Wenn ihr euch für die fünftägige Option entscheidet und den Track
komplett laufen möchtet, sind eure Start- und Zielpunkte mit Marahau im
Süden und Wainui Bay im Norden festgesetzt. Die Laufrichtung könnt ihr
natürlich dennoch variieren.

Ganze fünf Tage sind euch zu viel oder ihr habt nicht so viel Zeit
und möchtet auch vom Rest Neuseelands noch was sehen? Dann gibt es die
Möglichkeit eine kürzere Version des Tracks in drei Tagen zu laufen.
Beliebteste Version ist hierbei die Strecke zwischen Marahau und
Totaranui.

BUCHUNGEN DER CAMPSITES

Da der Coast Track zu den eben erwähnten Great Walks gehört, seid ihr
aber egal bei welcher Variante dazu verpflichtet eure Campsites oder
auch Huts im Vorfeld, vor Start zu buchen. Das könnt ihr sowohl online , als auch vor Ort in einer der vielen i-Sites,
den Touristeninformationen in Neuseeland. Die unwahrscheinlich
freundlichen MitarbeiterInnen beraten euch bei all’ euren Fragen und
stehen euch auch bei der weiteren Planung eurer Neuseelandreise mit Rat
und Tat zur Seite.

Da der Coast Track aber so beliebt ist, solltet ihr aber auch nicht zu kurzfristig buchen. Eine Übersicht der Campsites und Huts findet ihr hier. Eine Bestätigung über eure Buchungen müsst ihr während des Tracks
ausgedruckt oder als Screenshot (bedenkt, dass ihr unterwegs keine
Möglichkeit habt euer Handy aufzuladen) mit euch führen.

BEACHTUNG DER GEZEITEN

 Die Schönheit des Abel Tasman liegt vor allem
auch in seiner Lage direkt am Wasser. Eine Sache die man daher beim
Wandern unbedingt beachten muss, sind die Gezeiten, die hier auch noch
besonders stark ausfallen. Der Track führt an mehreren Stellen durch
Buchten, die nur bei Ebbe durchquerbar sind. Für die meisten gibt es
alternative High Tide Routen, die dann länger dauern und außen
herumführen. Bei Awaroa aber gibt es keine Alternative, ihr müsst hier
Ebbe abwarten. Die Stelle kann nur zwei Stunden vor und nach Low Tide
überquert werden.

Deswegen empfiehlt es sich vor Buchung der Campsites die aktuellen
Gezeiten für den Zeitraum, in dem ihr buchen möchtet, nachzuschauen.
Denn wenn ihr die Bucht erst gegen 19 Uhr durchqueren könnt, danach aber
noch zwei Stunden bis zur gebuchten Campsite wandern müsst, könnt ihr
schon mal unter Zeitdruck geraten.

Informiert euch also genau, bevor ihr eure Laufrichtung und Übernachtungsplätze auswählt. Die aktuellen Gezeiten könnt ihr im Abel Tasman Visitor Centre in Marahau erfragen oder hier online nachschauen.

EUER GEPÄCK

Der Coast Track ist kein Fernwanderweg, für den es monatelange
Planung und Profiausrüstung bedarf. Dennoch gibt es natürlich Dinge, die
ihr dabeihaben solltet.

Die meisten Backpacker in Neuseeland sind sowieso mit Rucksack
unterwegs. Wenn ihr dazu gehört, packt ihr in euren normalen Rucksack
einfach die Sachen, die ihr für die Wanderung braucht. Wie immer beim
Wandern gilt, packt ihn nicht zu voll, ihr müsst das Gewicht ja
anschließend auch mehrere Tage auf dem Rücken tragen.

Was ihr ansonsten noch braucht, könnt ihr hier mit Hilfe meiner Packliste herausfinden.

TRINKWASSER

Nicht an allen Campsites habt ihr Zugang zu Trinkwasser. Plant also
vorher, wo ihr wann eure Vorräte auffüllen könnt oder bringt einen
Kocher mit, so dass ihr das Wasser abkochen könnt.

UNSERE WANDERUNG AUF DEM TRACK

Wir haben uns dazu entschieden drei Tage und zwei Nächte auf dem
Track zu verbringen. Als Startpunkt haben wir Totoarnui gewählt, so dass
wir direkt zu Beginn mit dem Wassertaxi ein Stück die Küste
entlanggefahren sind, um dann in südlicher Richtung zurückzuwandern.

Das Wassertaxi ist um neun Uhr morgens in Marahau gestartet. Gegen halb elf sind wir in Totaranui
angelandet. Von hier aus sind wir dann in Richtung Süden auf unsere
erste Tagesetappe gestartet. Für die erste Nacht haben wir uns für die Onetahuti Campsite
entschieden. Bis hierher sind es ab Totaranui ca. 15 km, für die man
ungefähr vier bis fünf Stunden veranschlagen muss. Der Weg hat sich mehr
als gelohnt, die Campsite ist eine der schönsten im ganzen Park. Ihr
schlagt euer Zelt hier direkt im Sand auf und habt einen wunderschönen
Blick auf die Bucht inklusive Tonga Island mit seiner Seehundkolonie.
(Die man natürlich von Land aus nur mit entsprechender Ausrüstung sehen
kann. Oder man hat Glück und sie schwimmen in die Bucht hinein.)

An Tag zwei ging es für uns weiter bis nach Anchorage. Bis
hierher sind es ungefähr 15 bis 17 km, abhängig davon, ob man die Low
oder High Tide Route läuft. Wir sind ca. sechs Stunden unterwegs
gewesen, inklusiver großzügiger Pausen. Die Campsite in Anchorage ist
größer und nicht so abgeschieden wie die in Onetahuti. Dennoch ist die
Bucht super schön und wir haben auch hier für unser Zelt wieder einen
Platz mit Meerblick ergattert.

Am dritten und letzten Tag haben wir uns auf den Rückweg zu unserem Van in Marahau gemacht.
Für diese letzte kurze Etappe von ca. 13 km haben wir keine vier
Stunden gebraucht, so dass wir bereits mittags wieder an unserem Auto
angekommen sind.

Jede dieser Tagesetappen ist wahnsinnig schön gewesen und die
Tatsache, dass sich die Strecke abwechselnd durch die Buchten und dann
wieder durch den neuseeländischen Busch zieht, lässt einen nach jeder
Biegung in ehrfurchtsvolle Ahs und Ohs ausbrechen. Langeweile kommt hier
definitiv keine auf und die atemberaubenden Aussichten über die
Buchten, lassen einen die Anstrengungen nach den Anstiegen schnell
vergessen.

Wenn ihr also in Neuseeland seid und Zeit habt, nehmt den Abel Tasman
Coast Track unbedingt in Angriff. Der Wanderweg ist auch für Anfänger
geeignet, eine gewisse Grundkondition sollte man aber mitbringen.

Kleiner Tipp noch für diejenigen, die wie wir den Track gegen Mittag
beenden und nicht direkt zum nächstem Campingplatz fahren wollen,
sondern die Füße ein wenig in den Cafés in Marahau oder Motueka
entspannen möchten: Bei Old Macdonald’s Farm Holiday Park in Marahau könnt ihr euch für 3 NZD schnell duschen.

 

 

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